Pilgern 2021

An einem trüben Mittwochvormittag, dem 29. September 2021, trafen sich acht Mitarbeitende der Kanzler von Pfau’schen Stiftung und der gemeinnützigen GmbH auf dem Parkplatz vor der Klus bei Halberstadt. Dort waren sie mit Stephan Wendrock, ehemaliger Qualitätsmanager und heute freier Mitarbeiter der Stiftung, verabredet, der das diesjährige Pilgern organisiert hatte, nachdem das 2020-er coronabedingt ausfallen musste. Leider konnten oder wollten sich nicht mehr Mitarbeitende anmelden und allen Abwesenden muss an dieser Stelle Folgendes gesagt werden: Sie haben etwas verpasst! Was ein bisschen nach Kinder-Überraschung klingt, war aber tatsächlich ein Teil des Pilgerinhalts: Neben Spiel, Spaß (Herr Wendrock hatte seinen Goldendoodle namens Cooper dabei!), Spannung (und Schokolade zum Schluss) standen auch noch Unterhaltung, Informatives und natürlich Wandern auf dem Programm.

Los ging es rund um und in die Klusberge, inzwischen zu einem sog. mythische Kraftort erkoren. Sie erheben sich südlich von Halberstadt und ihr höchster Punkt beträgt immerhin 193 Meter. Der Haupt-, der Klusfelsen ist eine direkte Verlängerung einer der Sichtachsen des versunkenen Heiligtums im Harz, worauf eine Tafel unterhalb verweist. Möglicherweise stand vor Jahrtausenden sogar eine Sternwarte an diesem Ort? Die während der Kreidezeit entstandene bizarre Felsformation aus Sandstein war bis Mitte des 19. Jahrhunderts unbewaldet, ragte daher weit in die Landschaft hinein und bot Stoff für Märchen und Legenden. Kein Wunder also, dass das Areal Namen wie Teufelskanzel oder Teufelsstuhl erhielt. Auch der nebenstehende Fünffingerfelsen hatte bestimmt in Vorzeiten schon andere Namen erhalten. Inzwischen weist das Gebiet einen relativ dichten Baumbestand auf. Dessen Wurzeln sprengten aber im Laufe der Jahrzehnte Gesteinsbrocken aus der Formation. Ein Umstand, der die natürliche Erosion des Sandsteins um ein Vielfaches beschleunigt und damit auch den Verfall der bizarren Gebilde. Das beliebte Erholungs- und Wandergebiet (Außer am Vormittag des 29. Septembers offenbar, denn uns begegneten gerade mal zwei Wanderinnen!) war während der DDR-Zeit größtenteils militärisches Sperrgebiet. Allerdings waren hier keine Grenzer oder NVA-Soldaten unterwegs, sondern Soldaten der „Roten Armee“. Diese nutzten den weichen Sandstein u.a. für kyrillische „Hinterlassenschaften“ an die Nachwelt.

Im zweiten Teil der Pilgertour ging es nach Halberstadt hinein. Inzwischen hatte das Wetter auch aufgeklart, die Sonne wagte sich immer öfter zwischen den Wolken hervor. Im Rosenwinkel 18 residiert die Moses Mendelssohn Akademie in einer ehemaligen Synagoge, der Klaussynagoge, die eine wechselvolle Geschichte aufweist. Während des 2 1/2-stündigen Rundgangs durch Halberstadt führte die holländische (!) Stadterklärerin Aletta Jäckel die Besucher*innen über die Peterstreppe, den Domplatz, die beiden ältesten jüdischen Friedhöfe (Von insgesamt drei!) wieder zurück in die Unterstadt zur Klaussynagoge im ehemaligen jüdischen Viertel unterhalb des Petershofes, dem vormaligen Bischofspalast und späteren Sitz der preußischen Regierung. Die durchaus spannende wie auch unterhaltsame Führung endete mit dem Besuch des Museums und einem anschließenden Kaffeetrinken nebst Kuchenessen im weithin bekannten „Café Hirsch“, das unterschiedliche regionale Küche anbietet. Die beiden ukrainischen Frauen vor Ort verstehen jedenfalls eine ganze Menge vom leckeren Kuchenbacken, wie einhellig festgestellt wurde.

Falls eine neue oder andere Form einer Pandemie 2022 keinen erneuten Strich durch die Pilgerrechnung macht, wird es wieder ein Pilgern geben. An einen mindestens ebenso spannenden wie unterhaltsamen Ort - und Spiel und Spaß kommen auch nicht zu kurz J

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