Rundfenstergespräch

Ein kurzes Gespräch mit Siftungsdirektorin Daniela Schieke und Kreisoberpfarrer Sven Baier

Das Gemeindehaus der Kanzler von Pfau’schen Stiftung an der Kustrenaer Straße in Bernburg ist vielen bekannt, dass es ein neu gestaltetes Rundfenster im letzten Jahr erhielt nur wenigen. Längst sollte es feierlich eingeweiht und der Öffentlichkeit präsentiert werden, doch Corona machte alle Ansätze dazu zunichte. Daher sprachen wir mit der Stiftungsdirektorin Daniela Schieke und Kreisoberpfarrer Sven Baier, um Näheres über das Fenster und seine Neugestaltung in Erfahrung zu bringen.

Gab es einen besonderen Grund, das große Rundfenster im Gemeindehaus mit einer neuen und farbigen Glasgestaltung auszustatten?

Frau Schieke: Wir hatten über den Förderverein der Kanzler von Pfau’schen Stiftung bereits einige Projekte umsetzen können, die halfen, die historische Substanz unserer Einrichtung zu erhalten. Gern erinnere ich mich an die Restauration der Gemälde unserer Ahnengalerie unterhalb des Rundfensters, den Bau des Glockenturms im Garten und die Sanierung des Reliefs im Gemeindehaus. Der damalige Stiftungsdirektor Andreas Schindler trug die Idee zur Neugestaltung des Rundfensters an den Förderverein heran und dieser startete 2017 einen Spendenaufruf, der eine große Resonanz erhielt. Allein darüber kamen 10.000 € zusammen!

Kreisoberpfarrer Baier: Viele haben sich für das Rundfenster interessiert, das liegt nicht zuletzt daran, dass dieses Gemeindehaus den Menschen wichtig ist, denn es ist sozusagen Dreh- und Angelpunkt zwischen Stiftung und Kirche.

Als es klar war, dass Sie dieses Projekt umsetzen können, wie ging es dann weiter? Wussten Sie denn von Anfang an, wie das „neue“ Rundfenster später aussehen soll?

Kreisoberpfarrer Baier: Wir hatten ein paar alte Fotos und wussten, dass bei der Instandsetzung in den 1990-er Jahren nur schlichtes Weißglas eingesetzt wurde, einfach, weil damals die Grundsanierung im Vordergrund stand. Die weißen Glasflächen grauten später aus und das Fenster wirkte irgendwann eher unfreundlich als einladend. Und genau das wollten wir ändern.

Frau Schieke: Dazu holten wir uns Glasgestalterin Annegrete Riebesel aus Halle dazu. Sie beriet den kleinen Kreis aus Mitarbeiter*innen wie dem damaligen Stiftungsdirektor Andreas Schindler und Vorstandsassistentin Katja Kilian, Verwaltungsmitarbeiterin Bianca Karali, Kreisoberpfarrer Sven Baier und Öffentlichkeitsmitarbeiter Ralf Köbernick und mich.

Kreisoberpfarrer Baier: Relativ klar war von Anfang an, dass sich die Farben Anhalts Rot, Grün, Weiß wiederfinden müssen und vielleicht auch noch der Pfau als stilisiertes Symbol. Frau Riebesel sorgte schnell für einen kontinuierlichen Nachschub an künstlerisch hochwertigen Entwürfen, deren Abstraktion bzw. Detailliertheit die Meinungen aber immer weiter auseinanderbrachte statt zusammen.

Frau Schieke: Das war der Moment, an dem ich mit der Künstlerin durch das Gemeindehaus ging und wir schauten, welche Formen und Farben finden sich dort und was passt zu diesem ehrwürdigen Haus? Es waren Kleeblätter und vielfach runde Formen aus der Bauzeit Anfang des 20. Jahrhunderts, also eher traditionell und vor allem sehr harmonisch.

Kreisoberpfarrer Baier: Und diese Suche haben wir dann gemeinsam fortgesetzt. Sahen uns die Türen im Haus und das eingesetzte Glas genauer an; das Licht, das das bisherige Glas im Rundfenster durchlässt, was darf oder muss das neue? Und entschieden uns für etwas Einfaches…

Frau Schieke: … und Gutes! Das weniger lichtdurchlässige Glas verhindert ein Blenden, das zuvor störend war, und lässt gleichzeitig viel Licht herein. Frau Gottschalk hat uns bei diesem technischen Entscheidungsprozess gut beraten und wir fanden schnell gemeinsam einen Konsens. Es ist leider sehr traurig, dass Andreas Schindler den Schlussentwurf und die Umsetzung nicht mehr erleben durfte. Er verstarb am 12. Juli 2018 plötzlich und unerwartet. Anlässlich seiner Trauerfeier erhielt der Förderverein noch einmal ein hohes Spendenaufkommen, denn viele der Anwesenden wussten bzw. erfuhren, dass das Rundfenster eine Herzensangelegenheit für Andreas Schindler gewesen war.

Als dann klar war, dass und wie Sie das Rundfenster neu gestalten, ging es dann gleich los?

Kreisoberpfarrer Baier:  Nicht sofort, denn eine derartige Veränderung am Gemeindehaus, das nicht zuletzt ja auch ein Baudenkmal ist, muss mit den Behörden abgestimmt werden. Deshalb danken wir an dieser Stelle Birthe Rüdiger vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt sowie Katarina Amelang vom Fachdezernat Bauordnung und Hochbau des Salzlandkreises für ihre Beratung und dass sie sich auf unsere Gestaltungsideen eingelassen haben.

Frau Schieke: Dann konnten wir Anja Gottschalk, Glaskünstlerin und Inhaberin der gleichnamigen Glaswerkstatt in Aken, beauftragen, den Entwurf umzusetzen. Sie brachte Glasproben mit, durch die wir neugierig schauten. Und doch blieb es für uns nur schwer vorstellbar, wie sie hoch oben im Gemeindehaus ein so großes Fenster austauschen und dabei auch die künstlerischen Feinheiten gestalten kann - aber sie hat es geschafft! An dieser Stelle auch noch einmal ein besonderer Dank an Frau Gottschalk und ihr Team für die bemerkenswerte und zügige Umsetzung.

Angesichts der immer weiter steigenden Baupreise überall in Deutschland kann man wohl annehmen, dass auch Ihre Kosten über dem Plan lagen?

Frau Schieke: Das Fenster wurde ja bereits Anfang 2020 fertiggestellt, letzte Außenarbeiten erfolgten im Juni des gleichen Jahres. Und so bewegten sich die Kosten auch im ausgemachten Rahmen. Im Gegenteil: Da auch noch weitere Spenden dazu kamen, überlegen wir jetzt, das Projekt noch um die kleineren Fenster unter dem Rundfenster zu erweitern, wie es anfangs auch gedacht war.

Kreisoberpfarrer Baier:  Ich denke, Andreas Schindler hätte das Ergebnis gefallen! Er hat in den 25 Jahren seiner Amtszeit viel bewegt. Darüber, das Rundfenster neu zu gestalten, hatte er schon lange nachgedacht. Es sollte sein letztes Herzensprojekt werden…

Frau Schieke: Deshalb sind wir sehr froh und stolz, ihm, wenn auch posthum, diesen Wunsch erfüllt und mit diesem Fenster einen Ort geschaffen zu haben, an dem Menschen in und um unsere Stiftung seiner gedenken können. Dieses Fenster soll gleichzeitig auch ein Symbol für unsere Gemeinschaft sein, für die Verbundenheit zwischen den Kirchengemeinden in Bernburg und der Kanzler von Pfau’schen Stiftung. Und es steht auch für unsere Zukunft, für ein ständiges Weiterziehen neuen Zielen entgegen.

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