Nähe schenken, Menschlichkeit leben

Wie passt der Tod in mein Leben?

Der Tod ist nicht gesellschaftsfähig; wir machen, wenn möglich, einen großen Bogen um ihn. Mit dieser Einstellung bin ich in meiner Familie aufgewachsen. Viele Jahre später habe ich meine Schwiegereltern kennen und schätzen gelernt. Sie waren beide bis ins hohe Alter in der Hospizbewegung ihres Wohnortes aktiv tätig.

In den Gesprächen mit der Schwiegermutter erhielt ich plötzlich eine ganz andere Sichtweise auf den Tod, der zum Leben gehört. Mein nächster Schritt: Ich ließ mich zur Hospizhelferin ausbilden. Dies liegt jetzt mehr als zehn Jahre zurück. Inzwischen habe ich kranke und alte Menschen auf ihrem letzten Weg begleitet und viele positive Erfahrungen machen können. Tiefgehende Gespräche, selbst Witze reißen, gemeinsam lachen und weinen, und vieles andere mehr verbinden die Sterbenden und mich – was für eine Fülle.

Jede Begleitung erdet mich, zeigt mir, wie endlich unser Leben ist und dass das Lebensende ein Teil unseres Lebens ist.

Ich kann allen Interessierten, die etwas für andere tun möchten, empfehlen eine Ausbildung im Bereich Hospiz zu absolvieren. Auch wenn am Ende des Kurses die Sterbebegleitung nicht für jeden das Richtige ist, so bereichert die Schulung in jedem Falle die eigene Sicht auf Leben und Tod.

Berit Kuhn
Ehrenamtliche Hospizmitarbeiterin
der Kanzler von Pfau’schen Stiftung